Im Leipziger Süden, ganz in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals erstreckt sich der Südfriedhof. Er ist in vielerlei Hinsicht ein Friedhof der Superlative. Mit seinen 78 Hektar ist er der größte Friedhof Leipzigs. Auf der Kappellenanlage thront ein 60 Meter hoher Glockenturm. Zusammen mit dem Krematorium und dem Kolumbarium formt die Anlage das größte Friedhofsbauwerk Deutschlands.

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Ein Ort der Superlative

Seit 130 Jahren bestatten die Leipziger ihre Toten auf dem Südfriedhof. Im Laufe der Zeit ist eine Parklandschaft entstanden, die nicht nur zum stillen Gedenken an die Verstorbenen einlädt. Der Friedhof ist eine Insel der Ruhe inmitten des geschäftigen Treibens der Stadt. Ob die imposanten Grabdenkmäler einer beeindruckenden Sepulkralarchitektur, ob die üppige und vielfältige Vegetation: der Südfriedhof bietet viele Facetten, die einen Besuch lohnen.

Jahrhundertelang hatten die Leipziger ihre Toten auf dem Alten Johannisfriedhof an der Johanniskirche beerdigt. Da hier keine Erweiterungsmöglichkeiten bestanden, eröffnete die Stadt 1846 zwischen Windmühlenstraße und Reitzenhainer Straße (heute Prager Straße) einen Neuen Johannisfriedhof. Doch das sprunghafte Ansteigen der Einwohnerzahl und die immer näher rückende Bebauung von Thonberg und Neureudnitz ließen auch diese Begräbnisstätte bald als zu klein erscheinen.

Auf der Suche nach einem neuen Areal wurde man auf der Probstheidaer Flur fündig. Hier, wo 1813 die Völkerschlacht getobt hatte, existierten weite landwirtschaftliche Flächen, die preisgünstig erworben werden konnten. Am 1. Juni 1886 wurde der Südfriedhof als städtischer Zentralfriedhof durch Oberbürgermeister Bruno Tröndlin eröffnet. Für die Gestaltung waren der Stadtbaudirektor Hugo Licht und der städtische Gartendirektor Otto Wittenberg verantwortlich. Das Gelände ist in der Form eines Lindenblattes angelegt. Die Bauherren greifen damit den slawischen Ursprungsnamen Leipzigs auf: „Der Ort, an dem die Linden stehen.“ Die erste Anlage war 42 ha groß und für 60.000 Gräber vorgesehen. Bis zum Zweiten Weltkrieg fanden Erweiterungen auf die heutige Größe von 82 ha statt. Damit ist der Leipziger Südfriedhof eine der größten Parkanlagen ihrer Art in Deutschland. Doch trotz der landschaftsästhetischen Einbettung des Friedhofs zogen es viele, vor allem betuchte Leipziger weiterhin vor, sich auf dem Neuen Johannisfriedhof bestatten zu lassen. Erst als die dort begehrten Familiengrabstätten an den Friedhofsmauern belegt waren, wurde der Südfriedhof stärker angenommen. Heute findet der Besucher hier die Gräber zahlreicher berühmter Leipziger und kann die unterschiedlichsten Grabdenkmäler bewundern. Vor allem im Frühjahr, wenn die 10.000 Rhododendren erblühen, bildet der Südfriedhof eine von der Bevölkerung gern besuchte Parklandschaft.

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Kunstvolle Gräber und Leipziger Prominenz

Der Südfriedhof erfreute sich zunächst keiner großen Beliebtheit. Die Leipziger wollten weiter auf dem Johannisfriedhof begraben werden. Das änderte sich schließlich als die Bäume und Pflanzen anfingen zu wachsen und der Parkcharakter sichtbar wurde. Außerdem platzte der Johannisfriedhof bald aus allen Nähten. Bis heute haben 560.000 Leipziger auf dem Südfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden – darunter unzählige bedeutende Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler und Architekten. Einige berühmte Namen auf den Grabsteinen sind Georg Schwarz, Lene Voigt oder die Verlegerfamilie Baedecker. Viele der Ruhestätten sind von hohem künstlerischem Wert und stehen unter Denkmalschutz. Beisetzungen von Särgen und Urnen finden bis heute statt.

Einige durch Straßennamen und Stadtgeschichte bekannte Persönlichkeiten möchte ich hier aufführen:

  • Grabmal Arthur Hoffmann (Widerstandskämpfer, 1900-1945) – Arthur Hoffmann stammte aus Schlesien. Nach seiner Lehre als Zimmermann wurde er 1917 eingezogen und kam als Kriegsgegner zurück. Er war seit 1922 Mitglied der KPD und seit 1926 Mitglied des Rotfrontkämpferbundes. 1925 kam er nach Leipzig und war 1929 Stadtverordneter.Im November 1933 wurde er verhaftet und kam ins Zuchthaus Waldheim, danach in die KZ Sachsenhausen und Buchenwald. Nach seiner Entlassung 1937 gehörte er zu den Organisatoren des antfaschistischen Widerstands in Leipzig in der Schumann-Engert-Kresse-Gruppe. Am 19.07.1944 wurde er erneut verhaftet, im November zum Tode verurteilt und im Januar 1945 in Dresden hingerichtet.Nach ihm ist die Arthur-Hoffmann-Straße, die vom Bayrischen Bahnhof nach Connewitz führt, benannt. Bis 1992 gab es auch eine Polytechnische Oberschule seines Namens.
  • Grabmal Hugo Licht (Architekt, 1841-1923) – Hugo Licht war von 1879 – 1896 Stadtbaudirektor in Leipzig.Sein bedeutendstes Bauwerk schuf er in Leipzig mit dem Umbau der Pleissenburg zum Neuen Rathaus (1899-1905) und dem Erweiterungsbau, dem Stadthaus.Weitere erhaltene Bauten in Leipzig sind: das Messehaus „Städtisches Kaufhaus“, das „Rote Haus“ in der Philipp-Rosenthal-Str. (ehemaliges Siechenhaus) und das Grassimuseum am Wilhelm-Leuschner-Platz (heute Stadtbibliothek.). Er war beteiligt am Verwaltungsgebäude der Leipziger Feuerversicherungs-AG (später bekannt geworden als „Runde Ecke“, da es die Staatssicherheit des Bezirkes Leipzig genutzt hatte). Von ihm stammt aber auch der Aussichtsturm im Rosenthal.

    Er schuf die Grabdenkmäler für Christian Philipp Tauchnitz auf dem Nordfriedhof und für Otto Georgi auf dem Südfriedhof.

    1905 verlieh ihm dir Technische Hochschule Dresden die Ehrendoktorwürde und 1906 wurde er Titularprofessor durch die Leipziger Universität.

  • Grabmal Erich Zeigner – Erich Zeigner studierte von 1905-1913 an der Universität Leipzig Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft und schloss mit einer Promotion ab. Er war 1921 sächsischer Justizminister und ab März 1923 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, wurde aber kurz danach wieder abgesetzt, da er zwei KPD-Mitglieder in die Regierung aufgenommen hatte.Von 1928 bis 1933 arbeitete Zeigner als Journalist bei verschiedenen sächsischen Parteizeitungen und war Leiter einer Rechtsauskunftsstelle der SPD in Leipzig.
    Im August 1933 wurde er (erneut) inhaftiert, 1935 aber freigesprochen. Seitdem musste er von Gelegenheitsarbeiten leben. Im August 1944 wurde er ins KZ Buchenwald gebracht.Im Juli 1945 wurde Zeigner vom Militär-Kommandanten der Sowjetischen Militär-Administration in Leipzig als Oberbürgermeister von Leipzig eingesetzt. Dieses Amt führte er bis zu seinem Tod. Im Oktober 1946 wurde er durch eine Wahl bestätigt.
    1948-1949 war er außerdem als Professor Direktor des Instituts für Verwaltungsrecht an der Universität Leipzig.
  • Grabmal Otto Georgi – Der aus Mylau stammende Otto Georgi studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Leipzig, Göttingen und Heidelberg und schloss mit einer Promotion ab. 1859 ließ er sich als Rechtsanwalt und Notar in Leipzig nieder.1876 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Leipzig ernannt und erhielt den Titel Oberbürgermeister nach dem Aufstieg Leipzigs zur Großstadt ab Dezember 1877. Er behielt dieses Amt bis zu seiner Pensionierung 1899, die Stadt ernannte ihn zum Ehrenbürger. In seiner Amtszeit wurde Leipzig nach Berlin, Hamburg und München zur viertgrößten Stadt Deutschlands.In seiner Amtszeit entstanden 1884 das neue Gewandhaus, 1887 das Leipziger Konservatorium, 1888 das Reichsgericht (heute: Bundesverwaltungsgericht) und 1891 die Universitätsbibliothek.
  • Grabmal Paul von Bleichert – Paul von Bleichert übernahm 1901 gemeinsam mit seinem Bruder Max den vom Vater gegründete Betrieb Adolf Bleichert & Co.., den weltweit führenden Seilbahnbauer. 1923/24 wurde z. B. die Hängebrücke in Grimma gebaut. 1928 beschäftigte das Unternehmen 1200 Angestellte und 2000 Arbeiter.Zu den bekanntesten Seilbahnen der Firma zählten: die Zugspitzbahn in Ehrwald (Tirol), die Bahn auf den Tafelberg (Südafrika), die Hafenseilbahn in Barcelona und die Gipfelseilbahn auf die Zugspitze.Infolge der Weltwirtschaftskrise und der rapide sinkenden Aufträge musste die Firma 1932 Konkurs anmelden. Sie existierte aber weiter als Bleichert-Transportanlagen GmbH und musste während des zweiten Weltkriegs Granathülsen produzieren. Nach 1945 wurde der Betrieb in eine Sowjetische Aktiengesellschaft umgewandelt und wurde 1953 Volkseigentum.

    Die Grabstätte von Paul von Bleichert erinnert an einen bedeutenden Leipziger Industriepionier, wenn auch das Bronzemedaillon im mittleren Stein fehlt.

  • Grabmal William Zipperer – William Zipperer stammte aus Dresden. Er gehörte zu den Mitbegründern der KPD und arbeitete als Redakteur der „Sächsischen Arbeiterzeitung“ in Leipzig. Noch vor 1933 wurde er als „Ultralinker“ aus der KPD ausgeschlossen.Nach 1933 war er aktiv im Widerstand und schloss sich 1941 der Schumann-Engert-Kresse-Gruppe an. Er wurde im Juli 1944 verhaftet, im September zum Tode verurteilt und im Januar hingerichtet.Im August 1945 wurde eine Straße in Leipzig nach ihm benannt, in der er mit seiner Familie gelebt hatte.
  • Grabmal Kurt Kresse – Kurt Kresse stammte aus Leipzig und erlernte den Beruf des Buchdruckers. 1924 trat er der KPD bei und wurde später Mitglied der KPD-Bezirksleitung Westsachsen. In den letzten Jahren der Weimarer Republik war Kresse Vorsitzender des Arbeitersportvereins „Fichte“ in Leipzig.
    Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er zweimal verhaftet, setzte aber seinen Widerstand fort. Er verteilte Flugblätter und organisierte Hilfsmaßnahmen für ausländische Zwangsarbeiter. 1944 wurde er verhaftet, zum Tode verurteilt und am 11.01.1945 hingerichtet.Sein jüngerer Bruder Walter Kresse war von 1959-1970 Oberbürgermeister von Leipzig.
  • Grabmal Julius Blüthner (Fabrikant, Klavierbauer; 1824-1910) – Julius Blüthner begann als achtzehnjähriger Möbeltischler in einer Pianofortefabrik zu arbeiten und entdeckte seine Liebe zum Klavierbau.1853 gründete er in Leipzig die Pianofortefabrik Blüthner. Blüthnerflügel sind besonders edle, hochwertige Instrumente. So wurde er zum Hoflieranten des dänischen Königs und des russischen Zars Nikolaus II.
    Er führte für seine Angestellten eine Versicherung und eine Unterstützungskasse für invalide und alte Arbeiter ein.Er war Mitglied der Freimaurerloge Apollo, der auch der Bildhauer Bruno Eyermann, der Bauleiter des Völkerschlachtdenkmals Clemens Thieme, der Leipziger Industriepionier Carl Heine und der Hamburger Tierparkdirektor Ernst Brehm angehörten.
  • Grabmal Fritz Baedeker (Verleger, 1844-1925) -Seit langem ist „Baedeker“ ein Synonym für einen Reiseführer. Fritz Baedeker übernahm den väterlichen Verlag und verlegte ihn 1872 von Koblenz nach Leipzig. 1909 wurde er Ehrendoktor der Universität Leipzig.Das Leipziger Verlagsgebäude in der Nürnberger Straße wurde 1943 völlig zerstört. Der Verlag befindet sich heute in Ostfildern, Baden-Württemberg.

    Die Grabanlage schuf Waldemar Vogel.

  • Grabmal Rudolf Dittrich (Bürgermeister, Jurist, Politiker, 1855-1929) –Rudolf Dittrich besuchte in Leipzig die Nikolaischule, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, wurde Stadtrat von Chemnitz und Oberbürgermeister von Plauen.1899 trat er in das Leipziger Ratskollegium als Bürgermeister ein, er kümmerte sich um Finanzfragen, Eingemeindungspolitik und Volksgesundheit. 1908 erfolgte seine Wahl zum Oberbürgermeister von Leipzig .

    In seine Amtszeit fielen der Bau des Leipziger Hauptbahnhofs (1909–1912), des Krankenhauses St. Georg (1913), des Handelshofes (1909), die Gründung der Deutschen Bücherei, die Begründung der Technischen Messe und die Fertigstellung und Einweihung des Völkerschlachtdenkmals (1913).

    1917 trat er aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Oberbürgermeisters zurück und wurde Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

  • Hans Meyer (1858–1929), Geograph und Erstbesteiger des Kilimandscharo
  • Carl Seffner (1861–1932), Bildhauer (u. a. Bachdenkmal vor der Thomaskirche sowie eine Vielzahl von Grabdenkmalen auf dem Südfriedhof
  • Ernst und Pauline Ulbricht, Eltern von Walter Ulbricht
  • Friedrich Brandstetter (1803–1877) und Familie, Verleger, Buchdruckereibesitzer
  • Herrmann Julius Meyer (1826–1909), Verleger
  • Richard Quelle (1870–1926), Verleger
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Von bis zu vier Meter hohen Rhododendronbüschen über Amberbäume, Mahonien und Zierkirschen bis hin zu Urweltmammutbäumen, Trauereschen, Geweihbäumen, Ginkgos und verschiedenen Arten der Linde – die parkartige Ruhestätte beeindruckt mit einer enormen Pflanzenvielfalt. Bei einem Spaziergang auf dem Gelände kann man das Zwitschern von 60 brütenden Vogelarten hören. Eichhörnchen klettern in den Bäumen und mit etwas Glück kann man in den ruhigen Morgen- und Abendstunden Kaninchen oder Füchse erspähen.

 

 

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